Licht in die Kanäle der Unternehmensnetzwerke im Offshore-Finanzgeschäft

Die Verflechtungen vorwiegend multinationaler Unternehmen mit Steueroasen sind schon seit langem bekannt. Ihre Intensität, aber auch ihre Konzentration auf nur wenige Länder und Gebiete/Jurisdiktionen konnte erahnt werden. Das enorme Ausmaß, wie es die aktuellste Studie der Universität Amsterdam belegt, überrascht dennoch.

Das Geflecht an Beteiligungen entwirren

Das auf mehrere Jahre angelegte Forschungsprojekt corpnet basiert auf einer Firmendatenbank, die Informationen in Bezug auf Eigentumsverhältnisse oder Umsätze von Millionen von Unternehmen weltweit enthält. Die Verarbeitung der Datenmenge übernimmt ein Softwareprogramm, das zunächst Firmen und Eigentümer entwirrt und die Beteiligungen von jedem Unternehmen offenlegt. Mit diesen Netzwerken kann nachvollzogen werden, in welchem Land die Investitionsketten beginnen und in welchem sie enden, aber auch über welche Zwischenstationen sie umgeleitet werden. Gleichzeitig entsteht ein Abbild der Konzentrationen in den einzelnen Ländern. Letztere, zweite Kategorie stellt also die Umsätze der einzelnen Staaten dar, durch die das Geld in die Steueroasen fließt – und gegebenenfalls wieder retour.

Immense Umsatzströme konzentriert auf wenige Umschlagplätze

Werden also die Umsatzströme der Wirtschaftsleistung des jeweiligen Landes einander gegenübergestellt, führen die British Virgin Islands das Ranking an, gefolgt von Luxemburg – das EU-Land als große Überraschung. Weiters befinden sich Hongkong und die Kanalinsel Jersey, Zypern und Malta unter den 24 festgestellten Offshore-Zentren. Das sind im Wesentlichen die bereits bekannten Steueroasen, die ausländisches Kapital anziehen. Die Transfersummen beziehungsweise Investitionen übersteigen das BIP der Steueroasen um ein Vielfaches.

Interessantes ergibt die Datenanalyse hinsichtlich der bedeutendsten Umschlagplätze. Das sind jene Länder, über die Investitionen in die Steueroasen laufen. Zunächst besteht eine immense Konzentration auf nur fünf Länder, angeführt von den Niederlanden, Großbritannien, Schweiz, Singapur und Irland. Die Daten zeigen, dass knapp die Hälfte der Investitionen in Steueroasen über lediglich diese fünf Länder laufen. Die höchste Konzentration entfällt mit knapp einem Viertel auf niederländische und mit 14 % auf britische Gesellschaften.

Handlungsbedarf gegeben

Obwohl die Forscher methodische Probleme der Daten zugestehen – Vermögensströme von Privatpersonen fehlen oder Unternehmensdaten sind nicht vollständig – stellt diese Studie dennoch eine Annäherung an die Realität dar, um das Netzwerk der Finanzzentren offshore entflechten zu können. Die Studie ist weiter ein Beitrag, die Qualität und Verfügbarkeit von Daten zu verbessern und so höhere Transparenz zu schaffen. In diesem Sinne lautet eine unserer wichtigsten Forderungen, dass wirtschaftliche Eigentümer bzw. Berechtigte in einem internationalen Register offenzulegen werden.
Nur die wirtschaftlich potenten Staaten können die internationalen Finanzströme regulieren – sofern gewollt. Wenn die OECD lediglich Trinidad und Tobago als Steueroase identifiziert und die EU sich bislang nicht einmal zu einer Liste von Steueroasen durchgerungen hat, dann muss der politischen Druck und Kampf gegen Steueroasen weiter erhöht werden.